Polen tritt in eine Phase des strukturellen Wandels in der Abfallwirtschaft ein. Im Rahmen des Nationalen Abfallbewirtschaftungsplans (KPGO 2028) strebt das Land bis 2034 eine thermische Behandlungskapazität von 4,2 Mio. t/Jahr an. Dies bedeutet: Mit dem Ausbau der thermischen Abfallverwertung in Polen wird sich auch die Müllverbrennungsschlacke zu einem vielversprechenden Sekundärrohstoffstrom entwickeln.
Regulatorischer und marktseitiger Wandel im Schlackenmanagement: Vom Kostenfaktor zum verwertbaren Aktivposten
Aus Investitions- und Engineering-Perspektive ist Müllverbrennungsschlacke (HVA-Schlacke) kein vernachlässigbarer Mengenstrom. In der Regel verlassen 20–25 % der eingesetzten Abfallmasse den Prozess als Schlacke. Diese enthält ca. 5–15 % Eisenmetalle, 1–5 % Nichteisenmetalle sowie eine große Mineralfraktion mit Potenzial für die Sekundärnutzung.
Nach vollständiger Umsetzung der KPGO-Ziele könnte Polen jährlich Hunderttausende Tonnen an rückgewinnbaren Metallen und Gesteinskörnungen erzeugen. Die Schlacke ist somit kein unwichtiges Nebenprodukt mehr, sondern ein Stoffstrom mit messbarem kommerziellem Wert.
In der Vergangenheit setzten polnische Müllverbrennungsanlagen auf die nasse Schlackenaustragung und -kühlung, gefolgt von der Deponierung unbehandelter oder unzureichend behandelter Rückstände. Dies lag vor allem an begrenzten Verwertungswegen für Metalle und niedrigen Deponiekosten.
Dieses Modell ändert sich nun. In Einklang mit den EU-Abfallrichtlinien bewegt sich die polnische Politik schrittweise in Richtung:
- Verpflichtende stoffliche Verwertung, sofern technisch und wirtschaftlich machbar
- Reduzierung der Rückstände, die auf Deponien verbracht werden
- Zertifizierungswege, die es behandelter Schlacke ermöglichen, das Ende der Abfalleigenschaft zu erreichen und in den Baumarkt einzutreten. Erste Präzedenzfälle existieren bereits: Das Projekt in Białystok zeigt, dass fachgerecht aufbereitete Schlacke als Sekundärbaustoff für den Straßen- und Tiefbau zugelassen werden kann.
Die Erreichung dieser Ziele macht das Schlackenaustrags- und Aufbereitungssystem zu einem zentralen Design-Parameter, der die Einhaltung regulatorischer Vorschriften, das Deponierisiko, die Materialerlöse und die langfristige Projektrentabilität direkt beeinflusst.
Trockenes Schlackenmanagement als strategische Anforderung: Das MADAM-System für Deponiereduzierung und Wertschöpfung
Da sich der Fokus von der Entsorgung hin zur Verwertung verschiebt, wird das Schlackenaustragssystem zu einem entscheidenden Faktor für die Kreislaufwirtschafts-Performance einer thermischen Abfallverwertungsanlage. Traditionelle Nass-Systeme:
- Verschlechtern die Metallqualität durch Oxidation
- Erschweren nachgeschaltete Trennprozesse
- Erhöhen den Wasserverbrauch und die Kosten für die Abwasserreinigun
- Schränken das Wiederverwendungspotenzial der mineralischen Fraktionen erheblich ein.
Aus Lebenszyklus- und Finanzperspektive binden diese Systeme Projekte an entsorgungsorientierte Kostenstrukturen, schwächen die Kreislauffähigkeit und beeinträchtigen das ESG-Ranking über die gesamte Betriebsdauer.
Im Gegensatz dazu entwickelt sich die Trockenentschlackung zu einem kritischen Faktor für die Projektwirtschaftlichkeit, den Genehmigungserfolg und die langfristige Asset-Performance. Wettbewerbsvorteile entstehen heute nicht mehr durch effizienteres Deponieren, sondern durch die maximale Wertschöpfung aus Rückständen.
Das MADAM-System ist eine vollständig trockene, integrierte Lösung, die darauf ausgelegt ist, Schlacke von einer Entsorgungslast in einen verwertbaren Stoffstrom zu verwandeln. Im Gegensatz zu Nass-Systemen extrahiert und kühlt MADAM die Schlacke ohne Wasser und bewahrt so die Metallqualität und die mineralische Integrität von der ersten Stufe an über die gesamte Behandlungskette hinweg. Die wichtigsten funktionellen und strategischen Vorteile von MADAM:
- Vollständig trockene Extraktion und Kühlung: Verhindert Metalloxidation und bewahrt die Materialintegrität
- Höhere Effizienz bei der Metallrückgewinnung: Optimiert die Trennung von Eisen- und Nichteisenmetallen, was die Erlöse aus Sekundärrohstoffen steigert und die Gesamtwirtschaftlichkeit der Anlage verbessert
- Rückgewinnung kleinster Fraktionen (< 20 mm): In diesen Bereichen findet sich die höchste Konzentration an Nichteisen- und Edelmetallen. Bei Kupferpreisen von 12.891,50 USD/t und Aluminium von 3.056,00 USD/t (LME, Feb. 2026) wirken sich selbst geringe Steigerungen der Rückgewinnungsraten massiv auf das jährliche EBITDA der Anlage aus
- Produktion sauberer Gesteinskörnungen: Erzeugung von Mineralstoffen, die für eine Zertifizierung und Wiederverwendung im Bauwesen geeignet sind
- Erhebliche Reduzierung der Deponiemasse: Senkt direkt die Entsorgungskosten und die Deponiesteuerlast (Gewichtsreduzierung der Schlacke um 20–30 % im Vergleich zu Nass-Systemen).
Zudem reduziert der Verzicht auf Wasser die betriebliche Komplexität, den Aufwand für die Wasseraufbereitung sowie Umweltrisiken, was zu einfacheren Genehmigungsverfahren und einer verbesserten ESG-Performance beiträgt.
Risikominimierung bei der Schlackenverwertung: Die Magaldi Ash Insight Unit
Um Investoren und Betreiber dabei zu unterstützen, das tatsächliche Rückgewinnungspotenzial zu quantifizieren, bevor sie sich für großtechnische Aufbereitungslösungen entscheiden, hat Magaldi die Ash Insight Unit entwickelt – eine mobile Testanlage im industriellen Maßstab zur Analyse von Schlackeströmen unter realen Betriebsbedingungen.
Durch die Verarbeitung repräsentativer Schlackeproben liefert die Einheit datengestützte Erkenntnisse über:
- Gehalt an Eisen- und Nichteisenmetallen
- Korngrößenverteilung (Granulometrie)
- Verhalten von Feinfraktionen
- Mineralische Qualität, mit besonderem Fokus auf die Fraktionen < 20 mm, in denen die höchste Wertkonzentration liegt.
Diese frühzeitige Charakterisierung ermöglicht es den Projektbeteiligten, Geschäftsmodelle (Business Cases) zu validieren sowie technische und finanzielle Unsicherheiten zu reduzieren. So wird die Schlackenverwertung von einer bloßen Annahme zu einem messbaren und bankfähigen Design-Parameter.
Sehen Sie sich das Video an, um mehr über die Ash Insight Unit zu erfahren!
Fazit
Der polnische Markt für thermische Abfallverwertung definiert sich nicht mehr allein über installierte Verbrennungskapazitäten. Da die Ziele der Kreislaufwirtschaft rechtsverbindlich werden, entwickelt sich das Management und die Verwertung von Schlacke zu einem entscheidenden Hebel für Wertschöpfung und Risikominimierung.
Projekte, die diesen Wert nicht ausschöpfen, schaffen strukturelle Nachteile. In reiferen EU-Märkten monetarisieren spezialisierte Drittanbieter bereits die Schlackeströme, die Anlagenbetreiber ungenutzt lassen. Polen bewegt sich rasant auf das gleiche Wettbewerbsumfeld zu.
Das trockene Schlackenmanagement durch das MADAM-System bietet einen strategischen Weg, der:
- Direkt die Ziele zur Deponiereduzierung unterstützt
- Materiellen Wert durch hocheffiziente Metall- und Mineralrückgewinnung generiert
- Die Kreislaufwirtschafts-Bilanz für kommunale Abfallströme stärkt
- Die Einhaltung der immer strengeren EU-Anforderungen an Recycling und Deponieverbot gewährleistet.